Ganztag in Bewegung: Zwei Workshops, viele Ideen

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KiB zeigt konkrete Wege, wie Bewegung im Unterricht und im Ganztag Platz finden kann

Was braucht eine Schule, damit Bewegung ihren festen Platz im gesamten Schultag bekommt? Und wie kann Bewegung dabei auch das Lernen begleiten? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 40 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte am 2. Oktober 2026 bei einem Studientag an der Adam-Ries-Grundschule in Berlin-Friedrichsfelde. Die Schule möchte ihr Profil der interkulturellen Bildung um den Schwerpunkt Bewegung erweitern.

Der Studientag wurde gemeinsam vom Landessportbund Berlin (LSB), der Gesellschaft für Jugend- und Sozialarbeit (GSJ) und der Kinder in Bewegung gGmbH (KiB) organisiert. KiB brachte dabei zwei unterschiedliche Perspektiven ein: In zwei Workshops ging es sowohl um konkrete Möglichkeiten für bewegtes Lernen als auch um die Frage, wie ein bewegungsorientierter Ganztag insgesamt gestaltet werden kann.

Bewegung, die zum Unterricht passt

Im Workshop „Unterricht, der bewegt – Perspektiven für Bewegung, Spiel und Erholung im Unterricht“ von Kevin Salewski, Pädagogischer Leiter Ganztag bei KiB, probierten knapp 20 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte verschiedene Methoden selbst aus. Dabei ging es zunächst um drei Möglichkeiten, Bewegung in Lernphasen einzubauen.

Bei Bewegungspausen wird eine Lernphase kurz unterbrochen. Eine bewegte Geschichte wie der „Wetterumschwung“ kann dafür reichen. Bei Bewegung mit Wiederholung wird bereits Gelerntes mit Bewegung verknüpft. Wortarten lassen sich beispielsweise unterschiedlichen Bewegungen zuordnen. Beim bewegten Lernen wird Bewegung Teil der eigentlichen Aufgabe. Ein Zahlenstrahl auf dem Boden kann etwa genutzt werden, um Rechenwege abzuspringen.

Die Übungen waren bewusst einfach gehalten. Es ging um Ideen, die sich ohne großen organisatorischen Aufwand ausprobieren lassen. Gleichzeitig wurden die Fragen dahinter betrachtet: Welche Regeln braucht eine bewegte Lernphase? Wie lassen sich Räume sicher nutzen? Wie gelingt der Übergang zurück zur nächsten Aufgabe? Und wie können Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen an den Übungen teilnehmen?

Vom einzelnen Angebot zum bewegten Ganztag

Während Kevin Salewskis Workshop vor allem auf die konkrete Situation im Unterricht blickte, nahm Annette Röttger den gesamten Ganztag in den Blick. Die KiB-Fachberaterin für Bewegung ist Physiotherapeutin, Psychomotorikerin und Marte-Meo-Trainerin.

Ihr Workshop „Ganztag in Bewegung – Gemeinsam Perspektiven für einen bewegungsorientierten Schulalltag entwickeln“ begann mit einem fachlichen Blick auf die Bedeutung von Bewegung für Gesundheit, Konzentration und aufgabenbezogenes Verhalten. Anschließend ging es um unterschiedliche Möglichkeiten der Bewegungsförderung: vom freien Spiel und kurzen Bewegungspausen über Psychomotorik und bewegungsorientierte Förderung bis zu Bewegungs- und Sportangeboten und Kooperationen mit Sportvereinen.

Im Mittelpunkt stand anschließend die Frage: Was gibt es an der Schule bereits? Und wo könnte sich noch etwas entwickeln? Dafür positionierten sich die Teilnehmenden zunächst im Raum und tauschten sich darüber aus, wo, wann und wie Bewegung im Schulalltag bereits stattfindet. Anschließend wurde es konkreter. In einem World Café arbeiteten die Fachkräfte an drei Stationen:

Bewegte Zeiten: Wo gibt es im Tagesablauf Möglichkeiten für Bewegung?

Bewegte Orte: Welche Räume und Flächen stehen zur Verfügung und wie können sie genutzt werden?

Bewegung für alle: Wie können unterschiedliche Kinder passende Zugänge zu Bewegung finden?

Gesammelt wurden nicht nur Ideen, sondern auch die Voraussetzungen, die dafür nötig sind, und erste mögliche Schritte. Zum Abschluss hielten die Teilnehmenden für sich fest: „Ein bewegter Ganztag ist für mich gelungen, wenn …“ und „Mein erster konkreter Schritt in den nächsten vier Wochen ist …“

Bewegung über den ganzen Tag denken

Die beiden Workshops setzten an unterschiedlichen Stellen an und gehörten doch zusammen. Bewegung kann eine kurze Unterbrechung im Unterricht sein, Teil einer Lernaufgabe werden oder in den Pausen und pädagogischen Angeboten stattfinden. Dafür braucht es passende Räume, verlässliche Absprachen und einen Blick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder.

Genau diese Verbindung zwischen Unterricht und Ganztag ist für KiB ein wichtiger Bestandteil der eigenen bewegungspädagogischen Arbeit. Erfahrungen aus den Bewegungskitas können dabei auch für Schulen interessant sein, wenn es zum Beispiel darum geht, Bewegungsmöglichkeiten im Tagesablauf zu schaffen, Räume unterschiedlich zu nutzen oder Angebote so zu gestalten, dass möglichst viele Kinder teilnehmen können.

Für die weitere Entwicklung der Adam-Ries-Grundschule war der Studientag zunächst ein gemeinsamer Ausgangspunkt. Die Schule möchte die Erfahrungen und Ideen nun im Kollegium weiter diskutieren und daraus Vorstellungen für die Umsetzung des Schwerpunkts Bewegung im kommenden Schuljahr entwickeln. Auch Eltern und Schülerinnen und Schüler sollen in den weiteren Prozess einbezogen werden.

KiB konnte an diesem Tag zwei Perspektiven einbringen: die konkrete Gestaltung von Bewegung und Lernen und den Blick auf die Entwicklung eines bewegungsorientierten Ganztags. Beides gehört zusammen, wenn Bewegung nicht bei einzelnen Angeboten stehen bleiben, sondern im Alltag der Kinder einen festen Platz bekommen soll.

Mehr zum Studientag

Wie der gesamte Studientag ablief, welche weiteren Workshops angeboten wurden und wie die Adam-Ries-Grundschule ihre nächsten Schritte plant, wird in einem Beitrag des Landessportbunds Berlin erläutert. Der Artikel findet sich hier.

Fotos: Sebastian Schlichting, Kevin Salewsky